Die Trinitatiskirche zu Hainichen

Kleine Stadt- und Kirchengeschichte

Zusammengetragen und aufgeschrieben von Anne-Kathrin Schädlich

Prägend für Stadtbild

Die Trinitatiskirche prägt seit 1899 das Bild der Kleinstadt Hainichen. Diese wurde um 1160 im Zuge der Besiedlung der Striegistäler gegründet und erwarb 1342 das Stadtrecht. Führende Industriezweige waren bis ins 19. Jh. das Leineweber- und Tuchmachergewerbe, was sich auch in den Farben blau (für die Leinewerber) und gelb (für die Tuchmacher) im Stadtwappen zeigt. Nach dem 2. Weltkrieg machte sich die Stadt einen Namen als Hersteller der Barkasautomobile. Berühmte Söhne der Stadt sind Michael Meurer (1475-1537, Reformator in Ostpreußen), Friedrich Gottlob Keller (1816-1895, Erfinder des Holzschliffs) und Christian Fürchtegott Gellert (1715-1769, Aufklärer und Fabeldichter).

Bis 1906 prägte die alte Stadtkirche hinter dem Rathaus das Stadtbild. Bis heute ist umstritten, ob sie dem Heiligen Nikolaus oder dem Heiligen Michael geweiht war. Vermutlich wurde sie im 13. Jh. erbaut. Sie wurde mehrfach erweitert und umgebaut. Um 1884 verlangte ihr schlechter baulicher Zustand nach Handlungsbedarf. 11 Jahre lang fand sich keine Lösung. 1895 stimmte der Kirchenvorstand mit einer Zweidrittel-mehrheit für einen Kirchenneubau auf dem Pfarrfeld. Dieser Neubau wurde nach Entwürfen des Geheimen Baurats Gotthilf Ludwig Möckel (1838-1915, Architekt aus Bad Doberan) in der Trinitatiskirche realisiert. Ursprüngliche Pläne, die alte Stadtkirche als Museum zu erhalten, konnten nicht umgesetzt werden. Das Gebäude wurde 1905 abgetragen und am 22. Februar 1906 gesprengt.

Der erste Spatenstich für die Trinitatiskirche erfolgt am 9. September 1896 und am 24. Mai 1897 fand die Grundsteinlegung statt. Bereits fünf Monate später konnte das Richtfest gefeiert werden und im August 1898 setzte man dem Turm das Kreuz und den Turmknopf auf. Zum Trinitatisfest am 28. Mai 1899 wurde das neue Gotteshaus dem dreieinigen Gott geweiht. Direkt neben der Kirche entstand in gleichem Stil in den Jahren 1898/99 das Diakonat mit Pfarrwohnungen, Gemeinderäumen und dem Pfarramt.

Umgestaltungen

1958-62 erfuhr die Trinitatiskirche gravierende Umgestaltungen unter der Leitung von Dr. Georg Laudeley (1901-1978, Chemnitzer Architekt). Die stark verzierte Ausmalung des Kirchenraumes wurde weiß übermalt, so dass die mystische Atmosphäre des Halbdunkels verloren ging. Den neugotischen Altar ersetzte man durch das barocke Kruzifix. 1993 wurde der Altarraum renoviert, einige Fenster restauriert und eine neue Heizungsanlage eingebaut. 1996-99 konnte der Turm erneuert und das Kirchendach neu gedeckt werden. Im Winter 2009/10 erfolgte die Restaurierung des gesamten Kircheninnenraumes, wobei die ursprüngliche neugotische Ausmalung wieder hergestellt wurde.

Der Turm mit Glocken und Uhr

Der sechsgeschossige Westturm ist 72 m hoch, beheimatet die Uhr mit vier Zifferblättern und die vier Glocken. Die Wasserspeier am Übergang zum Dach symbolisieren die Herrschaft Gottes über die Dämonen. Die kupfernen Drachenvierecke vereinen sich in dem 1 m breiten Turmknopf und einem verzierten Eisenkreuz, welches 7 m lang und 4 m breit ist. Zusammen demonstrieren die drei Kreuze auf Turm, Dachreiter und Altarraum die Dreieinigkeit Gottes.

Hinter den hölzernen Jalousien befinden sich vier Glocken. Diese wurden 1844 durch den Stückgießer Johann Gotthelf Große in Dresden gegossen und bilden einen C-Dur-Akkord. 1888 wurden sie aufgrund der Baufälligkeit der alten Stadtkirche in ein Glockenhaus auf den Jägerberg ausgelagert. Im September 1898 konnten sie in die Trinitatiskirche überführt werden. Im 2. Weltkrieg wurden sie abtransportiert, konnten jedoch nach Kriegsende auf dem Hamburger Glockenfriedhof gefunden werden und nehmen seit 1951 ihren alten Platz wieder ein. Die beim Transport beschädigte zweite Glocke wurde 1960 durch die Firma Schilling in Apolda umgegossen und am Trinitatisfest zur Gellertglocke geweiht.

Über den Glocken befindet sich die Uhr. 1968 wurde in die täglich per Hand aufzuziehende Uhr ein neues Werk mit Elektromotor und einem stündlichen Aufzug durch die Firma Hahn in Zwickau eingebaut. Die alte Uhr findet sich heute als Ausstellungsstück beim Juwelier Rehwagen in Hainichen.

Das Portal und die Vorhalle

Das eisern beschlagene Kirchenportal wird von sechs steinernen Bögen geziert und eine lebensgroße weiße Sandsteinfigur von Jesus Christus empfängt alle Kirchenbesucher mit offenen Armen. Daneben stehen die Apostel Petrus (links) Paulus (rechts) mit den Attributen Schlüssel und Schwert. Außerdem sind die Reformatoren Melanchthon und Luther dargestellt. Man könnte diese Aufstellung wie folgt interpretieren: Christus erhöht in der Mitte als Zentrum des Glaubens, daneben die Apostel als Wegbereiter und Verfechter sowie die Reformatoren als „Erneuerer“ der christlichen Kirche.

In der Vorhalle findet sich neben der Haupttür eingemauert seit 1932 der Pfeilerstein der alten Stadtkirche mit einer altarabischen Zahl. Bis heute ist umstritten, ob es sich um die Zahl 1502/3 oder 1302 handelt. Die Vorhalle dient als Gedächtnisstelle für die Kriegsopfer beider Weltkriege, wobei das neugotische Altarkreuz zur Andacht einlädt. Über der Tür befindet sich ein Rundbild mit dem Fahne schwingenden Lamm, welches den Besucher darauf hinweist, dass Christus den Tod besiegt hat.

Der Hauptraum (Kirchenschiff)

Der Hauptraum hat eine lichte Höhe von 14 m. Die Spitzbögen des Gewölbes kreuzen sich in Sternen- und Rippengewölben und machen Säulen unnötig. Die Bildhauerarbeiten an Kanzel, Orgel und den Wangen des Kirchengestühls stammen von dem Bad Doberaner Holzbildhauer Kasch. Das Gebäude enthält Sitzplätze für ca. 1100 Personen. Die Trinitatiskirche ist ein Zentralbau aus Backstein mit dem Grundriss eines griechischen Kreuzes mit einer Nordsüdausdehnung von 33 m und Ostwestausdehnung von 34 m. Das verzierte Ornament in der Mitte des Gewölbes setzt sich auf dem Kirchendach in dem 14 m hohen Dachreiter als Wegweiser zum Himmel fort.

Auf der Westempore leistet die Orgel ihren Beitrag zur optischen und musikalischen Gestaltung der Kirche. Der von Kasch erarbeitete neugotische Prospekt zeigt die Heilige Cäcilia als Patronin der Kirchenmusik und König David mit der Harfe. Das Orgelwerk stammt von der Firma Sauer aus Frankfurt/Oder und beherbergt mehr als 2000 Pfeifen. Die Orgel besitzt zwei Manuale mit 36 Registern. 1924 fand eine erste Überholung statt, wobei jedoch die Mängel der pneumatischen Anlage nicht behoben werden konnten. 1953 erfolgte eine Veränderung in der Zusammenstellung der Register. Mehr über die Orgel erfahren Sie hier: zur Seite Orgel.

2009/10 wurde die mystische Ausmalung des Gotteshauses in neugotischem Stil wieder hergestellt.

Die Fenster

Die farbigen Bleiglasfenster wurden von Professor Fritz Geiges (1853-1935, Freiburg im Breisgau) entworfen und tragen in neugotischem Stil zur mystischen Atmosphäre des Raumes bei. Die meisten Fenster zeigen Blattwerk (z.B. Eichen, Wein, Palmenzweige). Beim Eintritt in die Kirche fallen zuerst die Buntglasfenster des Altarraumes auf. In der Mitte findet sich eine Rosette mit der Geburt Jesu, wobei Maria, Joseph, Ochse und Esel das Kind bestaunen. Über ihnen schwebt ein Engel mit dem Spruchband „Gloria in excelsis deo et in terra pax“ (Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Frieden). Rechts daneben ist der Apostel Paulus mit dem Schwertattribut, links Petrus mit dem Himmelsschlüssel zu sehen.

Die Fenster in der Vierung zeigen an der Ostseite die beiden Reformatoren: links Phillip Melanchthon und rechts Luther mit der Liedzeile „Das Wort sie sollen lassen stahn“ aus dem Kirchenlied „Ein feste Burg ist unser Gott“. Auf der Westseite finden sich Hainichens Sohn Gellert und der Schwedenkönig Gustav Adolf.

Im südlichen Seitenschiff findet sich unter der Empore die Darstellung des Gleichnisses vom barmherzigen Samariter. Auf der Nordseite ist Jesus im Gespräch mit der Samaritanerin am Jakobsbrunnen dargestellt.

Der Altarraum

Der Altarraum ist durch seine Ausmalung in ein geheimnisvolles Licht getaucht, welches durch die bunten Bleiglasfenster unterstützt wird. Durch das Dach aus Palmenzweigen, welches an das schöpferische Paradies, sowie an das jüdische Laubhüttenfest und den damit verbundenen Auszug aus Ägypten erinnern soll, scheinen die Sonne und die Sterne. Die Sonne im Zentrum verweist auf Christus, denn er spricht: „Ich bin das Licht der Welt“ (Joh 8,12). Auch die Weinranken in Altar- und Gemeinderaum verweisen auf die Verbundenheit zwischen Christus und uns, seiner Gemeinde, denn er spricht: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“ (Joh 15,5). Wir alle sind Glieder Christi und damit Früchte des Glaubens und Kinder Gottes.

Das barocke Kruzifix auf dem Altar wurde von einem unbekannten Freiberger Künstler angefertigt und 1659 durch den Cunnersdorfer Bauer Peter Cunat gestiftet. Nach Abriss der Stadtkirche wurde es im Stadtmuseum aufbewahrt. Seit der Umgestaltung der Trinitatiskirche 1960 ersetzt es den neugotischen Altar. Die ebenmäßige Christusfigur steht auf einem Totenschädel als Symbol dafür, dass Christus durch seine Auferstehung den Tod besiegt hat.

Der sechseckige Taufstein aus Sandstein stammt von O. Fiebiger aus Potsdam und wird durch kleine Porphyrsäulen und behauene Ornamente geziert.

Die in Gottesdiensten verwendeten Paramente (Behänge) sind handgewebte Anfertigungen der Werkstatt Dinkelmeier aus dem Tuchmacherhaus Hainichen. Die bis heute genutzten Abendmahlsgefäße stammen aus der Werkstatt Scheeles in Leipzig und zum Teil noch aus der alten Stadtkirche.

Kanzel, Nebenaltäre und Nikolausschrein

Die Kanzel aus gelben Formsteinen markiert den südlichen Übergang zwischen Altarraum und Kirchenschiff, zwischen Prediger und Gemeinde. Der Kanzelkorb ist geschmückt mit Schnitzereien von den vier Evangelisten, die jeweils Bücher in den Händen tragen. Dies kennzeichnet ihre Autorität als Verfasser der Heiligen Schrift.

Die beiden spätgotischen Altäre zählen zu den ältesten Kunstwerken in der Trinitatiskirche. Sie stammen aus dem 15. Jh. und dienten in der alten Stadtkirche als Nebenaltäre. 1674 wurden sie im Zuge einer Kirchensanierung entfernt und bis 1843 in der Paukenkammer des Kirchbodens gelagert. Danach befanden sie sich bis 1906 im Museum für kirchliche Altertümer in Dresden, kehrten dann nach Hainichen in das Stadtmuseum zurück und befanden sich von 1960 bis 2009 im Altarraum der Trinitatiskirche.

Der Nikolausschrein zeigt Bischof Nikolaus von Myra mit der Heiligen Margarete und der Heiligen Katharina. Die Tafelmalereien an den Seitenflügeln zeigen Johannes den Täufer und den Märtyrerbischof Erasmus, sowie Ägidius und Wolfgang auf den Außenseiten. Der Schrein der Heiligen Sippe zeigt Maria, dahinter Joseph sowie die Heilige Anna mit ihren drei Männern: Joachim, Kleophas und Salomas. Die Tafelmalereien stellen den Heiligen Georg und die Heilige Elisabeth dar. Umseitig finden sich Antonius und Hieronymus.

Gemälde

Ein barockes Ölgemälde zeigt Pfarrer Donat Uhlich (im 17. Jh. Pfarrer in Hainichen) nebst Frau und Kindern auf Knien betend unter dem Kreuz. Er stiftete dieses Gemälde 1694 zur Ehre Jesu Christi, zur Zierde der Kirche und zum Andenken an seine verstorbene Ehefrau.

Zwei neuere Ölgemälde zeigen die Portraits der Pfarrer Külz und Püschmann. Sie wurden von dem Kunstmaler Carl Maria Kögl (1873-1946), dem Schwiegersohn von Külz, angefertigt.

Ein weiteres Gemälde zeigt ein Portrait Christian Fürchtegott Gellerts (1715-1769, Aufklärer und Fabeldichter) mit der Aufschrift:“ C. F. Gellert / Prof: Lips:“. Unklar ist bis heute, ob es sich um ein Original oder eine Kopie des Dresdener Rokokomalers Anton Graff (1736-1813) handelt, der u. a. auch Lessing, Herder und Schiller portraitierte.

Als Überrest des 1960 entfernten neugotischen Altars findet sich eine mit Gold verzierte Predella, welche die Feier des hl. Abendmahls nach Leonardo da Vinci zeigt und von dem Bildhauer Kasch angefertigt wurde.